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Sonntag, 27. Juli 2025

Ja, alles ist einfach. Die Menschen sind es, die die Verwicklungen schaffen. Man soll uns da nichts vormachen. Man soll von dem zum Tode Verurteilten nicht sagen: "Er wird seine Schuld gegenüber der Gesellschaft sühnen", sondern: "Man wird ihm den Kopf abhauen." Das sieht nach nichts aus. Aber es ist doch ein kleiner Unterschied. Und zudem gibt es Leute, die es vorziehen, ihrem Schicksal in die Augen zu blicken.

Albert Camus 

Montag, 25. März 2024

Über Wirken und Wesen der Liebe

Zu Lieben ist eine bewußte Entscheidung, basierend auf klaren, durchdachten Entschlüssen. An dieser Entscheidung ist nichts zufällig und übereilt. Sie geschieht im tragischen Bewußtsein ihrer Problematik und Ungewolltheit auf beiden Seiten. Das hat nichts mit Romantik und Verliebtheit zu tun. Das ist eine Sache für Erwachsene.

Sich freiwillig zu verlieben ist nicht schwierig. Das kann jeder. Ein Haustier ist dazu fähig. Aber um die Folgen davon zu wissen, sie bewußt in Kauf zu nehmen und dennoch nicht nur ein freundliches Gesicht dabei zu machen, dazu gehört ein Erwachsener.

Was bedeutet das? Es ist, nach dem Ende der freiwilligen Liebe, die Angst endgültig von ihr (der verlorenen Frau) besiegt zu werden, sie endgültig zu verlieren. Dann bedeutet sie mir nichts mehr. Annehmen tut sie ohnehin schon nichts mehr von mir. Ich muß also um alles kämpfen, was nur oder doch teilweise von mir abhängt. Um jemanden weinen dem ich absolut gleichgültig bin. Einseitig und allein zu lieben also, aber nicht in einer heimlichen Hoffnung auf Erhörung, sondern im sicheren Wissen um die Vergeblichkeit dieser Regung, darum, daß sie nicht nur von der erneut geliebten Frau nicht gewollt wird, sondern auch von mir selbst nicht.

Der Entschluß gerade jetzt zu lieben ist der letzte und verzweifeltste Versuch zu retten was längst nicht mehr zu retten ist. Aber er ist noch mehr: Eine prinzipielle Entscheidung für die Liebe an sich, die Liebe als Allem-Zu-Grunde-Liegendem, das immer und überall Vorrang hat. Für das Prinzip Gottes. Wenn auch schon weit entfernt von ihm.

Lieben um nicht alles zu verlieren von dem, was damals gut war. Zuerst habe ich alles kaputtschlagen müssen, um zu retten, was noch zu retten war. Jetzt muß ich lieben, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist: Das sind die Dinge, die ich nicht kaputtschlagen kann, ich habe es sechs Jahre lang immerhin versucht, und die sonst anfangen zu gären, was Hass, Trauer und Verzweiflung zur Folge hat und mich jetzt schon zur Liebe fast unfähig macht.

Eine Entscheidung in dem klaren Bewußtsein, daß diese Liebe ein weiteres großes Leiden bringen wird, das nur durch die Liebe, zu der man sich entschlossen hat, zu ertragen ist, das nur dadurch sinnvoll wird. Die Liebe rechtfertigt sich selbst, auch dann wenn sie als Waffe gegen sich selbst eingesetzt wird.

Liebe verschwindet nur durch Liebe. Liebe kann nur durch Liebe neutralisiert werden. Die Reste der freiwilligen Liebe verschwinden nur dann beinahe spurlos, wenn sie durch die ihr entgegengesetzte bewußte Liebe ausgebrannt wird.

Das als traurig oder tragisch zu bedauern ist nichts als Flucht vor dem Notwendigen, der eigenen emotionalen Gesundheit also, und eine Verniedlichung von etwas, das keine Diminutive erträgt: der Liebe. Eine Liebelei ist immer verachtenswert. Selbst dann wenn sie sich "nur" auf ein Tier richten sollte: Ein Lebewesen ist immer, egal unter welchen Umständen, total zu lieben. Damit haben auch Verlust und Trauer total zu sein. Da Verlust und Trauer total sein müssen um ein Lebewesen als Menschen identifizieren zu können, muß auch der Weg zu Verlust und Trauer total sein. Dieser Weg ist Liebe.

Wer zu dieser Totalität nicht fähig ist, begebe sich zurück in die Sphäre der Tiere und unbelebten Gegenstände.

(Tübingen & Oldenburg 2018 - 2024)

Montag, 26. Februar 2024

Sprengstoff

Wenn der Geist der säkularen Weihnacht über Oldenburg (Oldenburg) kommt, kann einem schon einmal Hören und Sehen vergehen. Der Oldenburger, nicht gerade bekannt für sein vorbildliches Verhalten gerade im Straßenverkehr (man könnte hier auch von gefährlicher Dummheit sprechen, unterlässt es aber als Gast dieser Stadt lieber), verhält sich im be-geisterten Zustand noch gewöhnungsbedürftiger als sonst. Das Ausbaggern eines kleinen Teiches am Rande des Stadtparks Eversten Holz, der total verschlammt war, mag das zeigen. Nachdem die Arbeiter großformatige Weltkriegsmunition aus dem Schlamm geborgen hatten, wurden die Arbeiten eingestellt und der Kampfmittelräumungsdienst gerufen. Doch der ist wie jedes andere Landesamt auch unterbesetzt und überarbeitet - erstmal musste also eine einfache Absperrung den besorgten Stadtvätern zum Schutz ihrer Bürger genügen. Diese Bürger aber, bestens informiert durch die verzweifelt nach Berichtenswertem suchende und schließlich überraschend fündig gewordene Nordwestzeitung, strömten in Scharen zum Eversten Holz. Sie führten aus Schnüren und Seilen sowie starken Magneten hergestellte Angeln mit sich, überstiegen die Absperrungen, oder räumten sie einfach beiseite und angelten im trüben Wasser nach Munition. Die Räumungsaktion der durch dieses Verhalten doch etwas verwunderten Polizei endete mit dem Aufstellen eines Bauzauns und verschärften Kontrollen. 

Was nun aber wollten denn die Oldenburger mit der Weltkriegsmunition? Sie wollten niemanden damit erschießen oder in die Luft sprengen, das ist absolut sicher. Denn der Oldenburger ist friedlich und hat weder natürliche noch eingebildete Feinde. Aber wozu dann? Die Antwort liegt in der Jahreszeit: Die Oldenburger wollten ihren Kindern eine Freude machen und ihnen die Munition zu Weihnachten schenken. Schließlich weiß ja jeder, wie gerne Kinder mit Munition spielen!

 (Oldenburg am 26. Februar 2024)

Samstag, 7. Oktober 2023

Von einem gewissen Alter an sind unsere Erinnerungen dermaßen miteinander verflochten, daß die Sache, an die man denkt, das Buch das man liest, fast keine Rolle mehr spielen. Man hat überall etwas von sich selbst hineingelegt, alles ist furchtbar, alles ist gefährlich, und man kann in einer Seifenreklame ebenso kostbare Entdeckungen machen wie in den Pensées von Pascal.

Marcel Proust

Samstag, 20. Mai 2023

Über das Durchqueren von Flüssen

Da gibt es diese Männer, meistens haben sie eine Frau im Schlepptau, oft genug auch Kinder, die schauen nicht, die machen einfach. Wenn die am Fluß sind und vom Ufer aus auf eine Kiesbank wollen, nehmen die den kürzesten Weg dahin, nämlich stur geradeaus und das heißt immer durchs tiefste Wasser und verschwenden keine Zeit und Energie darauf nach einer Furt Ausschau zu halten. Die Frau, meist kleiner als der Mann und die Kinder sowieso, laufen ohne lange nachzufragen hintendrein. Und wenn dem Mann an der tiefsten Stelle das Wasser bis zur Hüfte reicht (kein Problem, ist halt die Hose naß) und er sich schon als Überwinder gefährlichster Hindernisse betrachtet, kommt von hinten ein Schrei. Seine Frau. Der geht das Wasser schon über die Brust und es steigt nur immer weiter. Also will sie umkehren. Der Mann ist aber schon fast auf der Kiesbank und will natürlich nicht, dreht sich noch nicht mal nach ihr um. Kann ja gar nicht so schlimm sein. Dann der zweite Schrei der Frau: Die Kinder! Die gehen zwar auch stur geradeaus, aber ihrem sicheren Untergang entgegen. Egal, denn der Mann hat die Kiesbank erreicht, steht in der wärmenden Sonne und wenn er nicht sagt wos langgeht, wer dann? Meckerfrauen? Kleinkinder? Schließlich stehen sie trotz allem Geschreie und Gezerre ja doch alle auf der Kiesbank neben ihm, triefnaß bis zum Hals und darüber hinaus, aber was solls.

Solches Verhalten ist durchaus ein Stück weit bewundernswert, zieht ganz klar Frauen an und schafft vermutlich auch einen Teil der starken Eindrücke, die man Leben nennt und die dem Beobachter der Szene klar fehlen. Dennoch ist es meist gesünder und entspannter sich erst umzusehen, bevor man handelt, über das was man tut nachzudenken bevor man es macht. Ist das nicht überhaupt eines der klassischen Kriterien des "Erwachsen Seins"? Und zusätzlich hat man den Vorteil lediglich bis zu den Knöcheln im Wasser zu stehen auf seinem Weg bis zur Kiesbank. Und das Wasser ist doch einigermaßen kalt.

(Tübingen am 18.Juli 2021)

Samstag, 22. Oktober 2022

Eine poetische Wahrheit kann, eben weil sie absolut wahr ist, mit der Wirklichkeit niemals zusammenfallen.

Friedrich Schiller

Dienstag, 11. Oktober 2022

Amorem conatum esse amicitiae faciendae ex pulcheritudinis specie.

Liebe ist der Versuch, eine Freundschaft zu schließen aufgrund des Anblicks der Schönheit.

Cicero

Samstag, 5. März 2022

Ich habe einen Ruf: Ich habe bewiesen, daß ich gelegentlich weiß, wovon ich rede. Ich kann es mir leisten, mich unklar auszudrücken...

Harold Brodkey

Donnerstag, 18. November 2021

Die Geistig-Moralische Wende

Als Kohl 1982 die Geistig-Moralische Wende versprach, hatte er bereits massiv vom CDU-inhärenten System der Schwarzgeldkassen profitiert, er wäre ohne sie gar nicht erst zum Kanzlerkandidaten geworden. Daß er durch die Aufdeckung dieses Systems und der damit verbundenen Spendenaffäre nicht gestürzt wurde (so wie er mit seiner Äußerung zur Geistig-Moralischen Wende zum Sturz Schmidts beigetragen hatte), ist eine bittere Ironie der deutschen Geschichte. Heute, vierzig Jahre später, das alles wissend, warte ich immer noch, mehr naiv als stur, darauf, daß es eines Tages passiert: die Geistig-Moralische Wende.

(Oldenburg am 14. November 2021)

Donnerstag, 11. November 2021

Aus einem Roman

Und ist es nicht überhaupt so, daß es Blödsinn und zwar völliger und gefährlicher Blödsinn ist zu behaupten, daß alles zu verstehen bedeutet auch alles zu vergeben? Aus Verständnis entsteht alles mögliche, aber mit Vergebung hat das alles nichts zu tun. Das hat mit Vergebung, denkt sie, nur ein paar Buchstaben gemeinsam und das wars. Zu lieben, wirklich zu lieben, aus Prinzip heraus zu lieben, weil das alles ist was zählt und zu irgendwas führt, das heißt alles zu vergeben. Weil die Liebe größer ist, viel größer. Aber eben nur die Liebe und sonst gar nichts. Und vielleicht bricht Ede sie ja gar nicht auf Lottis elendes Niveau herunter, sondern behält sie lieb und über die Jahre, viele Jahre, wird sie in seinen Erinnerungen, in seinem Herzen langsam, langsam wachsen und einen Platz beanspruchen, auf den keine Andere und auch sonst nichts und niemand irgendein Anrecht hat und wenn er das merkt, dann ist es schon zu spät, dann wird er sie nicht mehr loswerden können, dann gehört sie schon zu ihm. Und er wird sie lieben, weil er sie schon immer geliebt hat, weil sie zu ihm gehört und schon immer zu ihm gehört hat und es gar nicht anders sein kann. Und dann wird er ihr vergeben, nein, bereits vergeben haben, weil er das dann unmöglich noch vor sich haben kann. Das geht dann nicht mehr. - Und wenn er sich getröstet hat, wird er froh sein, mich gekannt zu haben. Das ist zwar nicht von mir, aber trotzdem schön. -

(Oldenburg am 6. November 2021)

Freitag, 5. November 2021

Heimweh

Der Internet-Versandhandel "Mike´s Car HiFi" bietet recht günstige Corona-Selbsttests an und weist dabei auf einen optionalen Service hin: Professionellen Objekteinbau. Das stelle ich mir dann doch lustig vor. Da kommt also dieser Automechaniker, Kumpel von Mike natürlich, in seinem ölverschmierten Blaumann extra durch halb Deutschland zu mir gefahren und verabreicht mir mit seinen ölverschmierten Händen den Teststab: "Haldamal schdill, ich schrabb da jedzd des Dail in dain Zingn nai." Ja, ich kaufe bei "Mike´s Car HiFi". Und setze da ein Häkchen. Also da bei dem optionalen professionellen Objekteinbau...

(Oldenburg am 5. November 2021)

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Slim Pickens well he does the right thing
And he rides the bomb to hell
Yeah he rides the bomb to hell

Watch the pulse, it quickens after every little sting
If you're gonna go to hell
Drinking up you might as well

Are you really gonna take it like that?
Riding on the missile with the cowboy hat, and
Well the world is gonna end

The Offspring

Dienstag, 12. Oktober 2021

Zarathustra und der Triathlon

Die Raubvögel schrauben sich in den wolkenlosen Mittagshimmel, das heißt, daß der Triathlon in den überhitzten Straßen und Gassen der Stadt "Bunte Kuh" seinem Höhepunkt entgegeneilt. Bei 30°C im Schatten - ich sitze im Schatten oben am Hang - und 34°C in dem Hexenkessel zu meinen Füßen, ist die Stimmung an ihrem Siedepunkt angekommen und wird ohne Unterbrechung schnell zum Kochen kommen. Das Gejohle der Zuschauer geht seiner menschenmöglichen Klimax entgegen und so auch die Anstrengungen der Sportler. Schon ist es so weit, daß einzelne Läufer, Schwimmer und Radfahrer sichtbar schwächeln, d.h. nicht mehr mit dem Feld mithalten können. Und das bewirkt sofort auch eine Veränderung im Verhalten des Publikums Führen seine Anfeuerungen, sein gnadenloses Hopp-Hopp!- und Schneller-Schneller!-Geschrei nicht zum sofort sichtbaren Erfolg, kann es kein Pardon mehr geben und zeigt seine rasende Enttäuschung mit dieser miserablen Leistung dem erschöpften Sportler mit den Fäusten. Deshalb auch die Raubvögel. Deshalb auch die Rettungswägen und Sanitäter an allen Straßenecken, die nun ihrerseits zur Höchstform auflaufen, gilt es doch das für die Gesamtgesellschaft - also auch für mich - so wichtige Sportlerleben zu retten. Das Heulen der Sirenen ist daher zum längst nicht mehr wahrgenommenen Crescendo und andauernden Hintergrundgeräusch geworden. Alle geben wirklich alles und das unter stark erschwerten Bedingungen, da sich erboste Zuschauer, erschöpfte Sportler und übermotivierte Rettungskräfte längst zu einem unentwirrbaren Knäuel verwirrt haben, das sämtliche Wege verstopft und das sich erst in den Abendstunden mit abnehmender Hitze langsam wieder auflöst.

Nun schlägt die Stunde der Raubvögel, sowohl der gefiederten, als auch der menschlichen, die mitleidlos den Überlebenden auf ihrem Heimweg auflauern. Von meinem Auslug herabsteigend begegnet mir ein zutiefst erschöpfter Sportler, für den der lynchende Mob keine Energie mehr hatte und der erbarmungswürdig in seiner Schwäche anzusehen, humpelnd und schweißnass sein Fahrrad nach Hause schiebt. Den habe ich gnadenlos angefeuert: Schneller-Schneller! Hopp-Hopp! Nicht so lahm hier! Wirst du wohl Begeisterung für deinen Sport zeigen! Leistung-Leistung! Wirst du wohl endlich Sport machen! Er zuckt bei jedem meiner Schreie zusammen und ich glaube nicht, daß er noch besonders lange mit dieser Schande wird leben können. Ich gebe ihm drei Tage.

(Tübingen am 5. August 2018)

Freitag, 8. Oktober 2021

Frauen

Daher lieben also manche Frauen das Hässliche, Dumme, Gewalttätige und Primitive, denn solche Männer zeugen die stärkste Nachkommenschaft. Der Geist ist zu subtil, zu weich, zu verkünstelt, der zieht sie nicht an, der stößt sie ab. Ihre Kinder sollen ja stark sein, überleben, sich vermehren - und der Geist ist schwach, eine Abnormität. Schließlich will eine Frau eine gute Mutter sein. Koste es ihr, in Bezug auf ihren Mann, was es wolle. Konkret werden da für die Frau Prügel zur intimsten Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Partnerwahl. Kurz: Liebe ist ein Risiko, daß diese Frau im Hinblick auf die körperliche und geistige Gesundheit ihrer Kinder nicht eingehen darf und wird. Geist ist für sie biologisch wertlos.


(Oldenburg am 26. Juni 2021)

Montag, 4. Oktober 2021

Dilemma

Du kannst die Flinte so oft ins Korn werfen, bis du das Kornfeld mit Flinten planiert hast und kein Halm mehr aufrecht steht. Und dann sind die Bauern mit Dreschflegel, Sense & Mistgabel hinter dir her, weil du die gesamte Jahresernte vernichtet hast. Und du hast immer noch eine Flinte im Arm, klammerst dich daran fest und sagst: Wehe, wenn mir einer vor den Lauf rennt! Und suchst doch nach nichts anderem als einem noch nicht flachgeworfenen Kornfeld, in dem du unauffällig deine Flinte entsorgen kannst, mit der zu zehn Sekunden später wieder dastehst. Die Flinte nennt man auch Hoffnung.

(Zürich am 5. März 2012)

Mittwoch, 1. September 2021

Zwei Fahrradfahrer

Sie (sich über eben entgegengekommene Fahrradfahrer beschwerend): Die fahren mitten auf der Straße!

Er: Ja, so wie du. Ich fahr ja links.

Anmerkung der Regie: Nein, er fährt rechts. Aber würde man ihm jetzt zurufen: Verdammt nochmal, fahr auf die richtige Straßenseite! - dann würde er spontan nach links fahren.

Was daraus zu lernen ist? - Intelligenz wächst nicht auf Bäumen.

Was uns das nahelegt? - Nichts.

Samstag, 30. Januar 2021

Denn so hat der HERR zu mir gesprochen, als seine Hand mich packte und mich davor warnte, auf dem Weg dieses Volkes zu gehen: Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt. Das was sie fürchten, sollt ihr nicht fürchten und nicht davor erschrecken. Den HERRN der Heerscharen, den sollt ihr heiligen! Er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken!

Jesaja 8, 11 - 13

Donnerstag, 21. Januar 2021

Den wirklichen Menschen kennen und ihn nicht verachten, das ist allein durch die Menschwerdung Gottes möglich. Der wirkliche Mensch darf vor Gott leben und wir dürfen den wirklichen Menschen neben uns vor Gott leben lassen ohne ihn zu verachten oder zu vergöttern. Nicht als wäre der wirkliche [Mensch] ein Wert für sich, sondern allein darum weil Gott den wirklichen Menschen geliebt und angenommen hat. Der Grund der Liebe Gottes zum Menschen liegt nicht im Menschen, sondern allein in Gott selbst. Der Grund aus dem wir als wirkliche Menschen leben dürfen und den wirklichen Mensch neben uns lieben dürfen, liegt wiederum allein in der Menschwerdung Gottes, in der unergründlichen Liebe Gottes zum Menschen.

Dietrich Bonhoeffer, Ethik

Dienstag, 18. August 2020

o wenn wir auch nur darum da wären, um eine Weile zu träumen und dann zum Traum eines anderen zu werden -

Friedrich Hölderlin
(Brief an Neuffer, 8. Mai 1795)

Sonntag, 17. Mai 2020

Denn wohin dies einmal führen soll, weiß so gut wie niemand. Es ist doch wohl ausgeschlossen, daß solch ein Mensch, der im eigenen Elternhaus vor den Leuten davonläuft, der Marzipanessen und Zeichnen wie Laster treibt, der das Gemeinverständliche nur halbwach über sich ergehen läßt, mit seinen Füßen überall auf leere Luft tritt, an den Menschen nicht haften kann und sich fortwährend klein machen muß, damit es nicht herauskommt, wie es anders um ihn steht: es ist doch wohl ausgeschlossen, daß er einst erwachsen, tauglich und eingereiht sein wird. Er wird nicht älter werden, als er ist: was soll er noch? Dies verträgt keine Zukunft.

Heinrich Mann
Der Unbekannte